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GEWALTSCHUTZZENTRUM OÖ
 
Stockhofstraße 40, 4020 Linz
Tel.: 0732/60 77 60, Fax: DW 10

ooe@gewaltschutzzentrum.at


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Die Prinzipien der Arbeit des Gewaltschutzzentrums:



Aktive Kontaktaufnahme

Das Gewaltschutzzentrum kontaktiert Opfer nach Mitteilung der Polizei bei Wegweisung und Betretungsverbot und bietet Beratung an. Betroffene Menschen, die zuvor nicht von Beratungsangeboten informiert waren oder es nicht geschafft haben, sich Hilfe zu organisieren, werden dadurch erreicht. Oftmals wird es als große Erleichterung erlebt, über das Erlebte sprechen zu können. Auch können auf unbürokratischem Weg Informationen gegeben und Zugang zu Unterstützung erschlossen werden. Opfern zu vermitteln, dass es Unterstützung gibt, ist ein wichtiges Signal und oft ein erster Schritt aus Hilflosigkeit und Isolation.

„Ermächtigung der KlientInnen“ – Empowerment durch Parteilichkeit

Das Ziel der Arbeit im Gewaltschutzzentrum ist die KlientInnen zu unterstützen ihre Rechte einzufordern. Eigene Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen ist in Gewaltbeziehungen schwierig. Die Selbstbestimmtheit muss erst wiedererlangt werden. Grenzen, die der Täter verletzt hat, sollen neu gesteckt werden können. Die KlientInnen sollen sich wieder sicher fühlen und die Gefährdung soll enden. Dies bedeutet für die Arbeit soweit zu gehen, wie es die KlientIn will und nicht weiter. Sie entscheidet ob und in welcher Form Veränderung passieren wird. Manchmal ist dies schmerzlich für die Beraterin und auch nicht einfach zu akzeptieren, wenn eine Klientin so gebunden ist an den Gewalttäter, dass sie in der Beziehung bleibt und sich dort einer weiteren Gefährdung aussetzt.
Das Gewaltschutzzentrum stellt sich auf die Seite der Frau, dorthin, wo so oft niemand gestanden ist und die KlientIn mit ihren Gefühlen und Anliegen alleine und unverstanden war. Gemeinsam soll das schwer zu Ertragende angeschaut, bearbeitet und gelöst werden. Parteilichkeit als Stärkung sich einen eigenen Weg zuzutrauen.

Rechtliche Bestimmungen machen es manchen KlientInnen manchmal schwer bis unmöglich sich aus Gewaltbeziehungen zu lösen. So kann eine Migrantin den Gewalttäter nicht verlassen, wenn ihre Aufenthaltsgenehmigung an die Ehe mit ihm gebunden ist oder sie nicht arbeiten kann, um für sich und die Kinder das Überleben zu sichern. Damit werden Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse gesellschaftlich aufrechterhalten.

Verschwiegenheit/Vertraulichkeit

Das Vertrauen der KlientIn ist missbraucht worden. Um neues Vertrauen in die Umwelt aufbringen zu können, muss Persönliches und Intimes geschützt werden. Gewaltbetroffenheit gilt häufig als Tabu und trifft in der Umgebung oft auf Unverständnis und Überforderung. Schamgefühle dominieren bei den Betroffenen. Das Gewaltschutzzentrum verpflichtet sich dazu Vertrauensräume aufzubauen, Informationen nicht weiterzugeben.
Schwierig ist dies allemal, da die KlientInnen ihr Privatleben vor Behörden wie Polizei und Gericht ein Stück öffentlich machen müssen. Da ist es notwendig das Vertrauen zu stärken, dass mit ihren Äußerungen sorgsam umgegangen wird. Die Frauen brechen oft auch ein jahrelanges Schweigen. Partner haben sie mit ihrer Gewalt -und Machtausübung zum Schweigen gebracht.

Die Kosten

Das Gewaltschutzzentrum bietet kostenfreie Beratung an. Die Kosten für die von Gewalt betroffenen Frauen und Kinder sind oft hoch: Physisch in Form von Verletzungen, manchmal bleibenden Schäden. Psychisch als tiefgehende Verunsicherung bezüglich einer Bindung. Das Vertrauen und die Zuneigung werden missbraucht und ausgenutzt. Ein Gefühl des Ausgeliefertseins, der Hilflosigkeit bleibt. Das Gefühl selbst zu bestimmen wird zerstört. Soziale Kontakte zu FreundInnen und Verwandten werden von Gewalttätern oftmals verhindert oder zumindest erschwert. Rückzug, Isolation und der Verlust an Bindungen sind die Folge.
Finanziell kann Gewalt bis zur Delogierung führen. Manche Gewaltbeziehungen führen Frauen in eine Schuldensituation und existentielle Katastrophen.
Auch die Gesundheit und das Verhalten von Kindern, die Zeugen oder ebenfalls Opfer von Gewalt im Elternhaus werden, kann stark beeinträchtigt werden. Es besteht die Gefahr, dass das beobachtete gewalttätige Verhalten in spezifischen Rollen im Erwachsenenalter reproduziert wird. Weitreichende Gesundheitsfolgen wurden bei Erwachsenen festgestellt, die in ihrer Kindheit traumatisierende Erfahrungen gemacht haben. Zu diesen Folgen gehören jene Erkrankungen, die in unserer heutigen Zeit weit verbreitet sind und als Hauptursachen für Mortalität gelten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Hier bedarf es weitergehender Forschung und ein Umdenken innerhalb der Ätiologie von Erkrankungen.1
Auch die Kosten für die Gesellschaft sind hoch. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Justiz und des Bundesministeriums für Soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz vom Juli 2006 fallen in Österreich jährlich 78 Millionen Euro als Folgekosten häuslicher Gewalt an. In die Berechnungen flossen die Bereiche Justiz, Arbeit, Sozialhilfe, Gesundheit und Beratung ein. Als Grundlage dienten rund 6500 Anzeigen wegen Gewalt in der Familie im Jahr 2005.2

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1 GiG-net (Hrsg.): Gewalt im Geschlechterverhältnis, Verlag Barbara Budrich, Opladen & Farmington Hills 2008
2 Haller, Birgitt/Dawid, Evelyn: Kosten häuslicher Gewalt in Österreich, Institut für Konfliktforschung, Wien 2006