Jede dritte bis fünfte Frau wird im Laufe ihres Lebens mindestens
ein Mal Opfer männlicher Gewalt. Zwei von drei Übergriffen
geschehen in der Familie und im sozialen Nahraum durch Ehemänner,
Lebensgefährten, Väter, Stiefväter...
Für eine Frau zwischen 16 und 44 Jahren ist es wahrscheinlicher,
durch ihren Lebenspartner oder einem nahen Verwandten verletzt oder
getötet zu werden, als durch Kriege oder Terrorismus (zit.
Europarat). In unserer Gesellschaft ist die Gewalt von Männern
an Frauen neben der Gewalt von Erwachsenen an Kindern im privaten
Kontext die größte homogene Menge an Gewaltkriminalität
und zugleich die häufigste schwere Menschenrechtsverletzung.
Gewalt gegen Frauen reicht von der alltäglichen Belästigung
auf der Straße, im Berufsleben über die vielfältigen
Formen der Missachtung, den sexuellen Missbrauch innerhalb und außerhalb
der Familie, die Vergewaltigung innerhalb und außerhalb der
Ehe, den Menschenhandel mit ausländischen Frauen, die Zwangsprostitution
bis hin zur Tötung.
Häusliche Gewalt gegen Frauen stellt eine Form psychischer
Gewalt gegen Kinder dar. Mitzuerleben wie die Mutter beschimpft,
erniedrigt, geschlagen, getreten und mit dem Tod bedroht wird, hat
ähnlich traumatisierende Folgen für die Kinder wie direkte
Gewaltanwendung. Gewalt in der Familie zählt in unserer Gesellschaft
zu den Tabuthemen. Wege aus der Gewalt sind erst möglich, wenn
das Schweigen gebrochen wird.
Die Ausstellung ist in Form einer Wohnung angelegt und besteht
aus einer Küche, einem Schlafzimmer, einem Kinderzimmer und
einem Wohnzimmer.
In den verschiedenen Räumen werden die Themen der Ausstellung
– gesellschaftliche Ursachen häuslicher Gewalt - Gewaltdynamik
- Formen der Gewalt - miterlebte Gewalt - geschichtlicher Rückblick
über die Gesetzgebung - Prozess der Hilfesuche und Möglichkeiten
der Unterstützung schwerpunktmäßig und lebensnah
dargestellt.
Die AusstellungsbesucherInnen können in drei Video- und vier
Audioinstallationen die Erzählungen von acht Frauen hören,
die in ihrem Leben von häuslicher Gewalt betroffen waren und
sich aus der Gewaltbeziehung befreien konnten.
In der Videoarbeit "Kennst Du das auch?" (Berliner Interventionsprojekt
gegen häusliche Gewalt – BIG) erzählen fünf
Mädchen und Buben von ihren Erfahrungen mit häuslicher
Gewalt.
Der Film "Das Problem ist meine Frau" von Calle Overweg
ist eine gespielte Dokumentation über die Arbeit mit Gewalttätern,
die ihre Frauen schlagen.
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