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GEWALTSCHUTZZENTRUM OÖ
 
Stockhofstraße 40, 4020 Linz
Tel.: 0732/60 77 60, Fax: DW 10

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Gewalt hat viele Gesichter …
vor allem Formen der Gewalt gegen Frauen in Beziehungen und im sozialen Nahraum

(vgl. "Hinter der Fassade" Broschüre zur Ausstellung Gewalt in der Familie, 3. Auflage, April 2009 > im "Archiv" der Homepage)

KÖRPERLICHE GEWALT
erleben Frauen durch Schlagen mit den Händen, den Fäusten, mit Gegenständen wie Sesseln, Vorhangstangen, Vasen, Schuhen und Gürteln. Frauen werden bespuckt, mit den Füßen getreten, an den Haaren gerissen, gewürgt, an die Wand gedrückt und auf den Boden geworfen. Subtilere Formen körperlicher Gewalt sind z. B. Verhindern von Nahrungsaufnahme oder Schlaf. Körperliche Misshandlungen sind mit Gefühlen von Ohnmacht und Erniedrigung, großer Angst vor der Unberechenbarkeit des gewalttätigen Mannes und häufig mit Todesangst verbunden.

PSYCHISCHE GEWALT
– Drohungen, Nötigungen, Angstmachen
– Belästigungen, Terror, Verfolgung (Stalking)
– Beschimpfungen, Abwertungen, Diffamierungen
– ökonomische Gewalt, Missbrauch von Abhängigkeit
– Demonstration von Macht
– Isolation u. a.

Drohungen, Nötigungen und Angstmachen sind häufig Formen von psychischer Gewalt. Oft vorkommende Drohungen oder Nötigungen sind:
– „Ich bringe dich um, wenn du mich verlässt!“
– „Dich finde ich überall!“
– Drohung mit Wegnahme der Kinder, Entführung ins Ausland
– Zerstörung von Dingen
– mit Selbstmord drohen
– mit einem Aufenthalt auf der Psychiatrie drohen
– Drohung, das Visum nicht zu beantragen
– Drohung, Verletzungen zuzufügen

Häufig wird auch die Androhung, Dritten (Verwandten, aber auch Haustieren) Verletzungen zuzufügen dazu benutzt, bestimmte Ziele zu erreichen. Aufgrund der Drohungen und der damit verbundenen Angstgefühle ist die tatsächliche Ausübung körperlicher Gewalt nicht mehr nötig, denn die Furcht davor wirkt bereits einschüchternd. Für Frauen und Kinder bedeutet dies ein ständiges Leben in Angst.

Unter Belästigung, Terror, Verfolgung (Stalking) versteht man z. B. ständige Anrufe, Anrufe mitten in der Nacht, Drohbriefe, Bespitzelung und Verfolgung an der Arbeitsstelle und zu Hause, Kontrollanrufe zu Hause, nicht schlafen lassen usw.

Beschimpfungen, Abwertungen, Diffamierungen dienen der Zerstörung des
Selbstwertgefühls der Opfer und deren geistiger Gesundheit. Mit der Zeit wird der Glaube der Frau an ihren Wert, ihre Rechte, ihre Identität und ihre Empfindung, oder eine Wahl zu haben, zerstört. Zu dieser Form der Gewalt gehören z. B.
– das Lächerlichmachen in der Öffentlichkeit
– beleidigende Äußerungen über das Aussehen oder den Charakter der Frau
– Behauptungen wie: die Frau sei verrückt oder psychisch krank, bilde sich etwas ein, sei selbstmordgefährdet etc.
– Abwertung (auch offene Abwertung durch Frauenwitze)
– Aussagen wie: „Du kannst froh sein, dass du mich hast!“ – „Du bist zu blöd für alles!“
– Abwertung der Kultur der Frau, ihrer Wertvorstellungen, ihrer Überzeugung
– Aberkennen der Entscheidungsfähigkeit
– Abwertung ihrer Sexualität

Behauptungen dieser Art werden oft dazu benutzt, von den eigenen Taten abzulenken und die Frau „zum Problem zu machen“.

Ökonomische Gewalt, Missbrauch von Abhängigkeit bezieht sich auf die ungleiche Kontrolle über gemeinsame Ressourcen. Im Familienzusammenhang kann das etwa heißen, dass der Mann:
– ungenügende Geldmittel für Haushaltsangelegenheiten bereitstellt
– Einkommen, Vermögen und Ausgaben geheim hält oder diese bei der Frau kontrolliert
– als Familienoberhaupt und Haushaltsvorstand auftritt und keine Mitarbeit im Haushalt leistet

Demonstration von Macht
– Erzwingen trivialer oder sinnloser Handlungen z. B. das Essen muss um Punkt 12 Uhr am Tisch stehen, die Kinder müssen um Punkt 7 Uhr im Bett, die Handtücher müssen nach Farben geordnet, Schuhsohlen müssen geputzt sein usw.
– dauernde unberechenbare Präsenz
– das Fernsehprogramm bestimmen
– Bekleidungs- und Schminkvorschriften
– Forderung, dass die Frau zur Verfügung stehen muss, wenn der Mann nach Hause kommt
– der Mann trifft alle Entscheidungen alleine
– Kontrolle über den Tagesablauf der Frau
– Öffnen der Post der Frau

Isolation ist eine sehr effiziente Strategie, um ein Opfer „in die Gewalt“ zu bekommen und die Macht aufrechtzuerhalten. Sie beinhaltet:
– das Verbot der Kontaktaufnahme mit der Familie oder FreundInnen, das Einsperren zu Hause
– die Unterbrechung der Telefonleitung
– Bekannte und Verwandte der Frau aus dem Haus ekeln, Freunde lächerlich machen, keine Sozialkontakte gestatten
– Mann lässt Frau mit Kindern allein, sie kann nicht weg, hat kein Auto
– die Frau darf nicht über das eigene Geld verfügen
– ausländische Frau darf nicht an einem Sprachkurs teilnehmen
– Kontakt zur Herkunftsfamilie unterbinden
– Mann bestimmt den Wohnort, das Land
– krankhafte Eifersucht
– Isolation durch Vorgabe von Fürsorglichkeit (z. B.: Ich gehe für dich einkaufen.)


STALKING
Das Wort kommt aus der englischen Jagdsprache und bedeutet soviel wie nachstellen, auflauern und verfolgen. Bezeichnet wird damit ein Verhaltensmuster, bei dem jemand einem anderen Menschen nachspioniert, ihn persönlich verfolgt, ihn brieflich oder telefonisch, oft auch per E-Mail oder SMS belästigt, bedroht, diffamiert, einschüchtert und terrorisiert. Vor allem Frauen, die sich von ihrem gewalttätigen Partner trennen, sind oftmals davon betroffen. Charakteristisch ist, dass Stalking-handlungen eine gewisse Kontinuität und Häufigkeit aufweisen.
Ziel der Täter ist es z. B., eine Beziehung aufzunehmen, die Beendigung einer solchen rückgängig zu machen oder sich für erlittene Kränkungen zu rächen. Die Auswirkungen auf die Opfer können von Schlaflosigkeit über Angst- und Panikattacken bis hin zu psychosomatischen Beschwerden reichen. Manche Stalkinghandlungen können als Körperverletzung, gefährliche Drohung, Nötigung, Sachbeschädigung, Verleumdung usw. verfolgt werden. Stalking ist dadurch gekennzeichnet, dass Personen durch ein Verhalten in Angst und Schrecken versetzt werden, welches an der Oberfläche oft harmlos erscheint, jedoch in der Summe der Einzelakte und der Dauer für die Betroffenen eine enorme Bedrohung und Einschränkung der Lebensführung darstellt. Seit Juli 2006 ist dieses Verhalten als „Beharrliche Verfolgung“ gemäß §107a StGB strafbar und es ist möglich, mit einer Einstweiligen Verfügung Stalker durch Aufenthalts- und Kontaktverbote bis zu einem Jahr vom Opfer fernzuhalten, bei Zuwiderhandeln auch länger.

SEXUALISIERTE GEWALT
Misshandlung und Sexualität sind nach den Aussagen vieler Frauen in den Beziehungen der Männer zu ihnen eng miteinander verbunden. Frauen berichten von sexuellen Erniedrigungen, vom Zwang zu Sexualität nach Misshandlungen, von Vergewaltigungen, vom Zwang, bei sexuellen Handlungen des Mannes mit anderen Frauen zusehen zu müssen, und zum Ansehen von Pornografie. Sexistische Beschimpfungen sind oft alltäglich. Manche Frauen erzählen, dass ihre Partner sie mit „Hure“ beschimpfen, bedrohen oder schlagen, wenn sie ihnen Sexualität verweigern. Oft erleben auch Kinder die Vergewaltigung
der Mutter mit.1

STRUKTURELLE GEWALT
ist die vermeidbare Beeinträchtigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse oder, allgemeiner ausgedrückt, des Lebens, die den realen Grad der Bedürfnisbefriedi-gung unter das herabsetzt, was potenziell möglich ist.
Neben allen Formen der Diskriminierung zählt dazu ungleiche Einkommensvertei-lung.2
Strukturelle Gewalt ist ein System von Regeln und Verpflichtungen, die Frauen in Abhängigkeiten halten. Diese Abhängigkeit begünstigt die direkte Gewaltausübung gegen Frauen in der Familie. Die Arbeitsmarktlage für Frauen wird zunehmend schlechter. Immer mehr Alleinerzieherinnen fallen unter die Armutsgrenze, und Tendenzen wie „Frauen sollen zu Hause bleiben“ sind wieder verstärkt spürbar.

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1 Ebd. S.85
2 Vgl. Galtung, Johann: Strukturelle Gewalt, Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung, Reinbek bei Hamburg 1975.